Ist Bewusstsein ein reines Gehirnprodukt?

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Wie kam der Geist in die Materie? Ein kurzer philosophischer Spaziergang

 

Gemäß der aktuellen Wissenschaft ist Geist bzw. Bewusstsein das Ergebnis neuronaler Hirnaktivität. Das Gehirn ist demnach lediglich der Generator von dem Phänomen, was wir Bewusstsein oder Geist nennen. Den meisten von uns erscheint die Vorstellung, dass die eigene Persönlichkeit Ergebnis unseres Organs “Gehirn” ist, nicht sehr sympathisch. Wir sind demnach nichts weiter als auf unsere spezielle Umwelt optimal angepasste Organismen. Diese Haltung ist zudem nicht ganz unproblematisch für unser Selbstverständnis von freien Wesen: Wenn wir selbst nichts anderes sind als das reine Ergebnis zellularer Aktivität, die es zufällig geschafft hat, sich ihrer selbst bewusst zu werden, dann hat nichts einen tieferen Sinn. Dann werden wir bei unserem Tode vom großen Nichts verschlungen werden. Dann sind Ethik und Moral nichts mehr als Regeln, die ein reibungsfreies Zusammenleben ermöglichen, aber letzten Endes immer ein heuchlerisches Element in sich tragen. Dann können Sinn und Lebenszweck nur aus dem Materiellen geschöpft werden und es muss jetzt geschehen, weil alles von der Vergänglichkeit bedroht ist. Egoismus kann dann die einzig wahre Triebkraft im Menschen sein.

Bei einer solchen Denkweise kommt Menschlichkeit immer erst hintenan. Es gibt demnach keine echte höhere Sphäre, die uns trägt. Man befindet sich allerdings in einer logischen Zwickmühle; nicht, dass die Wissenschaft über die Quantenphysik immer deutlicher feststellt, dass die klassische Mathematik mehr eine Schablone zur Erklärung der Welt ist als ein Schlüssel zur einzigen Wirklichkeit. Man geht auch stillschweigend davon aus, dass es dem Menschen überhaupt möglich ist, diese Wirklichkeit zu erkennen und zu erfassen. Dass diese dort weitergehen könnte, wo unsere Sinne und Messinstrumente nicht hinreichen oder dass sie ganz anders konditioniert sein könnte, als es diese Messungen darstellen, fällt unter den Tisch.

Natürlich ist diese extreme Haltung selten. Aber es ist unumgänglich, das Bewusstseinsphänomen in Wissenschaft und Ethik einzubinden und nicht als Glaubensfrage offen zu lassen, wie ich im Folgenden  zeigen möchte.

Geist aus Materie- oder umgekehrt?

 

Nach der oben beschriebenen Auffassung von Bewusstsein müsste sich jedes Smartphone oder jeder Computer als Ursache des Internets  verstehen. Aber auch unsere Technik kann als fraktales Abbild einer höheren Ordnung verstanden werden. Wir können deduktiv Rückschlüsse daraus auf die Beschaffenheit uns kaum zugänglicher Wirklichkeiten ziehen.

 

Platon war der erste bekannte Denker, der feststellte, dass es keine Materie ohne Form gibt- und keine Form ohne Materie. Die geistige Dimension, die Form (er nannte es „Idee“) ist dabei vorgeordnet: nichts existiert ohne die Vorwegnahme oder das Vorhandensein einer immateriellen Form. Das weißt auf etwas Unumstößliches hin: Information ist die Vorbedingung aller Existenz. Es existiert nichts ohne Information. Woher „weiß“ das Samenkorn oder die Eizelle von ihrer endgültigen Form oder ihrem Weg dorthin? Und wo befindet sich die Information? Woher “weiß” die Chemie einer DNA, wie sie sich “verhalten” muss? Sicher, wir beobachten Korrelationen, doch können sie allein Ursache sein? Sind  die Prozesse selbst im Bezitz der Informationen? Weitergedacht würde das bedeuten, dass es keinen Ort ohne Information geben kann. Information – so könnte man sagen – durchdringt alles. Hat Information aber einen Träger, ein Medium? Der Reihe nach.

 

Laut der herrschenden Vorstellung der biologischen Evolution entwickelte sich alles in
Anpassung an seine Umwelt. Alles dient einem sinnvollen Zweck. Konsequent muss man aber dann fragen: Nach welchen Anforderungen entwickelte sich Bewusstsein? Entweder existierte es vor seiner „Verwendungsmöglichkeit“ oder es dient keiner Solchen.

 

Zuschreibungen an das Bewusstsein und Geist wie Auswerten, Bewerten, Versuch + Irrtum oder Erinnern sind Fähigkeiten oder Qualitäten, die Evolution erst ermöglicht haben und nicht deren Ergebnis sind– und nicht sein können. Die Existenz von Gehirnen ist offenbar nicht die Voraussetzung, solche zu „erdenken“. Intelligenz ist kein Alleinbesitz oder Produkt von Gehirnen, denn Intelligenz muss es sein, die Gehirne erst hervorgebracht hat. Anders ausgedrückt: Intelligenz ist eine Eigenschaft des Kosmos (oder Gottes).

 

Wir kommen auch an einen Punkt, an dem sich gewisse Voraussetzungen nicht weiter reduzieren lassen. Kann Geist das Produkt von Materie sein? Das würde bedeuten, dass all die genannten Eigenschaften in irgend einer Art Eigenschaften von Materie sind – eine Vorstellung, die nicht einleuchten will. Versuchen wir es anders herum: Materie wäre demnach ein Produkt von Information, eine Manifestation dessen.

 

Es ist offensichtlich, dass Geist sich nicht verdinglichen lässt. Jeder Lernvorgang (der Vorraussetzung für die “einfachsten” chemischen oder physikalischen Konstanten ist), braucht die Möglichkeit der Interaktion und der Speicherung von Information. Damit kommen wir zu einer rein geistigen Fähigkeit, die wir Materie nicht zusprechen können: Der Wahrnehmung.

Wahrnehmung braucht dreierlei: einen Raum, in dem sie stattfindet, Zeit, um sie vom Geschehen als getrennt zu erfahren und ein „Ich“, welches sich als erfahrend erlebt (I.Kant nannte diese Voraussetzungen die drei a -Prioris der Wahrnehmung). Diese Bedingungen sind nicht das Denken an sich; sie sind die Voraussetzungen, in welchem der Geist sich selbst erkennt. Denn was wäre die Welt ohne Geist, der sie durchdringt? Gäbe es sie? Nein. Erst durch diese geistige Durchdringung kommt Bedeutung in die Welt. Ein Geräusch wird erst zum Geräusch, wenn es von einem höhrenden Bewusstseinsträger als Solches erkannt wird. Existenz ist nur durch Wahrnehmung möglich, nicht umgekehrt.
Beides ist auch nicht voneinander zu trennen. Es sind zwei Seiten derselben Erscheinung. Nun ist Wahrnehmung aber kein rein physiologischer Vorgang, wie ich später noch darlegen werde.

Unser kausales Denken im Rahmen von Ursache und Wirkung kann sich das schwer vorstellen. Die schöpferische Intelligenz scheint eher ganzheitlich- simultan zu arbeiten. Kein Vogel lernte Fliegen durch das Studium der Aerodynamik, auch nicht durch Versuch und Irrtum. Nichts innerhalb der Schöpfung befindet sich in einem Zustand der Erprobung oder des Übergangs. Alle Kräfte scheinen vollkommenn aufeinander abgestimmt. Ob es das elektrolytische Gleichgewicht und der Metabolismus eines Organismus sind oder die Feinabstimmung der Kräfte (starke und schwache Kernkraft, Elektromagnetismus und Gravitation): In keinem anderen Zustand wäre biologisches Leben möglich. Die Evolution(-swissenschaft) muss das berücksichtigen, deshalb kann sie nicht als Universalerklärung funktionieren.

Bewusstsein kann also u.A. angenommen werden als das vollständige Vorhandensein aller Möglichkeiten, die deshalb notwendigerweise immer symbiotisch und harmonisch auftreten. Das müssen wir als Setzung annehmen. So betrachtet könnte man Naturgesetze als Eigenschaften dieses umfassenden Bewusstseinsfeldes auffassen.

Wo ist Bewusstsein?

 

Alles Wahrnehmbare ist in seinem Ursprung formuliertes (oder geformtes) Bewusstsein. Gedanken sind formuliertes Bewusstsein. Bewusstsein ist überall. Ein „leerer Raum“ oder ein „Nichts“ ist eine Abstraktion, eine Unmöglichkeit, denn: wie soll es etwas geben, das NICHTS ist? Diese Feststellung gefällt der herrschenden Astronomie nicht. Sie steht vor dem Problem, Fernwirkungen wie die Quantenverschränkung und die Gravitation zu erklären. Wie soll Information übermittelt werden, wenn es nichts gibt, was sie überträgt?

Hinzu kommt ein erkenntnistheoretisches Problem: Bewusstsein kann sich nicht selbst wahrnehmen. Es ist eigentlich offensichtlich: Das Auge ist nicht gleich das Sehen, das Auge kann sich auch selbst nicht sehen. So wird “Sehen” erst durch Subjekt und Objekt gemeinsam möglich und ist keine isolierte Eigenschaft. Erst durch Bewusstsein wird Existenz zur Erfahrung. Das ist von zentraler Bedeutung und kann nicht genug betont werden. Nehmen wir Geist und seine Grundlage Bewusstsein lediglich als Ergebnis neuronaler Aktivität an, dann muss  Materie das Unmögliche gelungen sein: Die Überwindung und Transzendenz der eigenen rein chemischen Bedingtheit auf eine höhere, reflexive und nicht-physische Ebene. Materie wäre es phantastischerweise also gelungen, Sinn zu erkennen! Damit wäre das Ergebis weit mehr als das (obendrein zufällige) Zusammenspiel seiner Teile. Interaktion irgendwelcher Art kann “toter” Materie nicht möglich sein. Man unterstellt ihr damit stillschweigend, den Sprung aus dem rein Dinghaften in eine semi- geistige Dimension. Ebenso stillschweigend werden “Naturgesetzte” wie Schwerkraft, Elektromagnetismus, Verschränkung usw. als geist- und substanzlos angenommen, obwohl dadurch gerade offensichtlich wird, dass sie “geistige” Eigenschaften der Materie sind.

Unauflösbare Fragen wie die nach dem auslösenden Impuls für den sogenannten Urknall können jetzt anders gestellt werden, den die Ursache muss nicht ausschließlich im Materiellen gesucht werden- was auch paradox ist: eine Ursache, die sich selbst verursacht, ist ein logischer Zirkel.

Raum kann in dieser Sichtweise anstatt als endloses Vakuum als Simulation zur Möglichkeitswerdung angesehen werden. Dieser “Raum” mag auf höherer, nicht-physischer Ebene – gar keine Ausdehnung besitzen. Welche Ausdehnung besitzt ein 3-D- Film, der uns völlig zu ergreifen vermag, tatsächlich auf einem Speichermedium?

„Weltraum ist Bewusstsein“ oder wie es der Naturphilosoph Helmut Friedrich Krause ausgedrückt hat: Weltraum ist Weltseele.

Das „Ich“ ist der Fokus des Bewusstseins und formiert es. Durch Ich wird SEIN erst möglich wie durch ein Ohr erst ein Geräusch möglich wird. Diese Feststellung ist nicht nur von rein philosophischem Interesse. Warum? Weil Bewusstsein ein ICH braucht, um sich selbst zu erkennen.

Kann Bewusstsein künstlich hergestellt werden?

 

Ab welchem Niveau einer KI, die alles abbildet, was ein menschliches Gehirn zu leisten vermag, könnte man eine echte Ich- Erfahrung unterstellen? Die Antwortet lautet: Nie. Sie wäre eben immer künstlich. Wieso kann man darin so sicher sein? Der Schlüssel liegt in der Subjektivität. Subjektivität impliziert ein “Innen” gegenüber dem objektiven “Aussen”. Jedes Innen ist mehr als die reine Datenverarbeitung. Ein paar Beispiele sollen das verdeutlichen.

Egal wie beispielsweise ein Roboter Dankbarkeit ausdrücken könnte, so wüssten wir immer, dass es sich nur um eine Simulation handelt und nicht um ein authentisches Erleben. Solch ein Erleben setzt Erkennen voraus. Erkennen ist weit mehr als das Verstehen der reinen Dinghaftigkeit und Bedeutung einer Sache, mehr als die Verkettung logischer Verknüpfungen in einem neuronalen Netzwerk.
Eingebunden darin sind neben Erfahrungen und Erinnerungen auch Erwartungen und Emotionen. Und Emotionen stellen einen besonderen, nicht austauschbaren Bezug zur Wirklichkeit her. Erst in der emotionalen Dimension ist Erkennen wirklich möglich. Das Außen der Dinge-welt rührt mich im Innern an. Was ist dieses “Innen”? Auch wenn wir im Gehirn analoge Bereiche finden, so sind deren Aktivitäten nicht die ausschließliche Quelle dessen, was wir als Bewusstheit und Ich- Gefühl erleben. Wir müssen das Gehirn als Integrationsorgan betrachten, als Endgerät, durch welches höhere Dimensionen sichtbar gemacht werden.

Auch wenn moderne KI Emotionen “lesen” kann, hat sie selbst keine: Das Kopieren, Auslesen und Interpretieren menschlicher Regungen führt noch zu keiner eigenen seelischen Wirklichkeit. Erfahrung wird erst durch eine emotionale Komponente, die die mentale ergänzt, zur Erfahrung.

Keine Simulation kann ein echtes Gestimmtsein erzeugen, kein Charisma, keine Aura, keine echte Beziehung, keine Liebe.

Was ist ICH?

 

Wo ende ich? Im (Tag-) Traum, in erweiterten Zuständen, in der Intuition, der Vorahnung oder extremeren paranormalen Zuständen wird eindringlich deutlich, dass “Ich” nicht lediglich innerhalb der Grenzen meiner Physis existiere.
Diese Zustände lassen sich bei einer KI nicht herstellen, denn Bewusstsein ist nicht künstlich herstellbar. Daraus können wir ableiten: Wenn es eine künstliche Intelligenz gibt, muss es eine “natürliche” geben, die wir als Bewusstsein in weitem Sinne verstehen können. Wir können die “natürliche” Erscheinung von Bewusstsein also nicht als Einbildung oder ursachenlose Innenwirkung abtun. Wer oder was also erfährt die Erfahrung? Ist das ICH ohne Bewusstsein vorstellbar? Oder simuliert das Ich Bewusstsein? Das ist offenbar widersprüchlich. Also zurück zur umgekehrten Annahme: Bewusstsein simuliert ein Ich.

 

Damit auch zurück zur emotionalen Komponente des Bewusstseins. Als weiteres Beispiel dazu diene die Leidenschaft,  eine hochkomplexe Erfahrung, bei der die Zukunft (Vorwegnahme) und die Vergangenheit (Erfahrung) von Erlebnisinhalten eine Rolle spielen. Eine technisch simulierte Leidenschaft ist nicht vorstellbar. In der Leidenschaft verlasse ich mein rationales “Bewusstsein” und alles Denken verschwimmt und verliert an Bedeutung. Das Geschehen hat keinen Sinn im “kühlen” Sinne mehr (Vermehrung findet bei Tieren offenbar ohne Leidenschaft statt). Gegenwärtigkeit wird zum alles umschließenden Zustand, die Grenzen des Ichs sind weit offen, ausgeweitet und dennoch fokussiert. Bewusstsein ist hier am deutlichsten greifbar: Es besteht gerade nicht aus im planenden und reflektierten, isolierten Ich- Bezug. Vielmehr ist es ein de-personalisiertes Universalgewahrsein, eine prä- und transpersonale Existenz, die sich nicht alleine auf den Geist beschränken lässt. In der Leidenschaft und mehr noch in der Extase (“außer-sich-sein”) bin ich ganz ICH ohne ich zu sein.
Eine reduktionistische naturwissenschaftliche Erklärung derartiger Erfahrungstiefen kann hier offensichtlich nicht vollständig die Wirklichkeit erfassen. Ein umgekehrter Ansatz scheint schlüssiger zu sein: das vorhandene Ich-. Gefühl bzw. Ich- Erleben ist Ausdruck und Werkzeug eines alles einschließenden Bewusstseins.

 

Diese Gedankenexperimente könnten sich fortsetzen lassen mit Begriffen wie Schuld, Freiheit, Begierde, Mitgefühl, Trauer, Sehnsucht usw, die sich weder glaubhaft künstlich herstellen lassen, noch sich auf rein neurobiologische Aktivitäten beschränken lassen. Vielmehr noch: diese Unmöglichkeit erbringt ihrerseits die unumstößliche Annahme der Existenz eines vom Gehirn unabhängigen Bewusstseins.

Bewusstseinsentwicklung ist Bewusstseinsausdruck

 

Irgendwann ist im Laufe jeder biologischen Entwicklung der Punkt erreicht, an dem es mit den eigenen systemischen Möglichkeiten nicht weitergeht. Aus Natur wird Kultur. Die Natur “Icht”. Es braucht das reflexive Ich- Bewusstsein zur weiteren Entwicklung. Ab diesem Punkt beginnt die Schöpfung, sich vertrauensvoll in die Hände des Menschen zu legen – bildlich gesprochen. Die menschliche Existenz bekommt damit einen Sinn, der nicht höher gedacht werden kann. Die Selbstreferenz des Mineral-, des Pflanzen- und Tierreichs ist überschritten. Nun will der Geist weiter in seiner Entwicklung und diese Überschreitung kulminiert im Menschen.
Der Mensch ist nicht einfach ein Seitenzweig der Evolution. Noch viel weniger ist er ein Fehlgriff. Er ist in diesem Sinne tatsächlich die Krone der Schöpfung- nur sollte er sich dessen bewusst sein und die Verantwortung dafür übernehmen. In uns lebt die vollständige Entwicklungsgeschichte unserer Heimat Erde. Wir sind Ergebnis einer Millardenjahre- langen Entwicklung einer Welt, die sich ihrer Selbst bewusst wird.
Das will jede Entwicklung – gedacht als Emanation des LEBENS – auf jedem Planeten. Wir sind dieser Planet.

Leben können wir bisher nur psychologisch und biologisch beschreiben, nicht aber in seiner ontologischen Natur erfassen. Leben und Bewusstsein sind untrennbar miteinander verwoben.
Leben beinhaltet Merkmale wie Reproduktionsfähigkeit, Empfindungsfähigkeit, ein Bezogensein und eine Austauschfähigkeit mit der Umwelt. In den höheren Formen kommen noch ethisches Empfinden, die Liebesfähigkeit und die Herausbildung von Kreativität, Ambiguitätstoleranz und Individualität, später auch Spiritualität und Transzendenz hinzu.

 

Noch etwas wird unumgänglich, wenn man die Wirklichkeit der Existenz des Geistes außerhalb biologischer Gehirne akzeptiert: es ist die Tatsache, dass es für Bewusstsein keinen Tod gibt. Es gibt nichts totes im All. Jedes Atom lebt. Information braucht keinen physischen Speicher, wie oben festgestellt wurde. Erfahrungen des Bewusstseins – und nichts anderes ist Leben (oder Lebenserfahrung) — gehen nicht verloren. Sie sind Teil der Ursubstanz unseres Kosmos: des Bewusstseins, welches andauernd neue Formen annimmt.

Unterscheidung Geist- Bewusstsein

 

Und daher noch eine kleine Unterscheidung: der Geist kann als geformtes Bewusstsein verstanden werden. Alles, was existiert, ist die Projektionsfläche des Bewusstseins, auf welcher Erfahrung entsteht. Erst durch Bewusstsein ist Wahrnehmung möglich, ohne Bewusstsein gibt es keine Welt- und damit keine Existenz. Das Ereignis und dessen Wahrnehmung fallen erst im Bewusstsein ineinander. Erst durch diese „Zutaten“ zusammen kann Welt überhaupt existieren.
Das Große bildet sich im Kleinen ab. Alles ist verbunden, das Prisma ist immer vollständig. Der Mensch ist ein Fraktal des Großen: er wird geboren, doch er kommt nicht aus dem Nichts. Er lebt, erinnert und bildet seine ganz spezifische Form. Dann stirbt er, sein physischer Körper verschwindet nicht im Nichts, sondern wandelt die Form. Es ist das ständige Werden und Vergehen, das Spiel des Formen-und Zustandwechsels, das aber in Summe immer vollständig ist. Bewusstsein kann also angenommen werden als geistige Substanz und Ursprung aller Dinge. Es kann mit dem verglichen werden, was wir in der Welt der Physik unter dem Raum verstehen. Bewusstsein ist der Hintergrund, auf dem Erfahrung stattfindet. Doch ist es nicht nur der Hintergrund, sondern auch der Ur-Grund, in welchem alles potentiell vorhanden ist. Es ist omnipräsent und ewig. Dort, wo es ist, ist Existenz, wo es nicht ist, gibt es nicht. Bewusstsein ist aller Wahrnehmung vorgeschaltet. Alles geht dort auf und findet innerhalb dessen statt. Der Geist kann als Werkzeug des Bewusstseins verstanden werden. Er ist die Fokussierung des Bewusstseins. Mittels des Geistes wird Bewusstsein spezifisch. Bewusstsein ist das Medium und der Raum, Geist ist der Impuls, die Frequenz oder der Fokus darin. Raum existiert erst mit seiner Wahrnehmung, die Bewegung sein muss. Diese Wahrnehmung, diese Bewegung ist der Geist.

 

Durch mich “individualisiert” und erfährt sich Bewusstsein. Es transformiert sich immer weiter herunter, um einen Kosmos mit einer unendlichen Vielzahl von scheinbar getrennten Phänomenen zu erschaffen. “Ich” ist das Mittel des Bewusstseins, Erfahrung zu schaffen.  “Ich” bin also Verkörperung des Bewusstseins in spezifischer Form. So, wie sich ein Auge selbst nicht sehen kann und dazu einen Spiegel braucht, braucht Bewusstsein diese Individualisierung um sich selbst zu erfahren.

 

Daraus ergeben sich weitreichende ethische Fragen: wenn unser Bewusstsein mit der physischen Welt wechselwirkt, wie sind Ungleichgewichte im Mensch- Naturverhältnis oder im “Verhalten” der Natur zu werten? Sind sie Ausdruck eines inneren Ungleichgewichts und Produkt eines verzerrten oder gar falschen Selbstverständnisses? Wenn Bewusstsein kein reines Gehirnprodukt sein kann, dan wäre Töten mehr als das reine Außerkraft setzten vitaler Funktion. In diesem Falle ist alles Handeln immer auch karmische Interaktion. Dann steht alles, was wir tun, in einem “ewigen” Zusammenhang.

 

Nur in einem solch beschriebenen Verständnis kann man sinnvoll mit Begriffen wie Sinn oder Ziel operieren, denn erst dann ist eine Beziehung mit der Welt möglich, die immer eine Beziehung zwischen einem Innen und einem Außen ist. Erst dann machen Weisheitslehren wie die hermetischen Gesetze einen tiefen Sinn, ebenso wie jede Religiösität oder Spiritualität, die dann als “Durchscheinen” höherer Bewusstseinsebenen zu werten und würdigen sind.

Schlussfolgerung

 

Bewusstsein kann also verstanden werden als  allumfassende, selbstreferierende primordiale Matrix, die sowohl Informationsspeicher ist, als auch Wahrnehmungsqualität hat. In ihr ist jede Möglichkeit der Schöpfung potentiell vorhanden. Sie existiert unabhängig von der Zeit und ist deckungsgleich mit räumlicher Ausdehung, ohne allerdings davon distanztechnisch abhängig zu sein. Leben ist der manifeste Ausdruck dieser Matrix, die wir Bewusstsein im größtmöglichsten Sinne nennen.

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