Der Great Reset, wer wir sind und das Ende des Gejammers

Der GREAT RESET, wer wir sind und das Ende des Gejammers

Es scheint, als würden wir in einer Welt voller Opfer leben: die einen beschimpfen die anderen, Arm leidet unter Reich und bedroht sind wir sowieso andauernd.

Wir können lange die Krise durchanalysieren. Wir können lange Schuldige finden, Antworten basteln, zum Widerstand und zum zivilen Ungehorsam aufrufen, Informieren und aufklären. Doch wird sich dadurch vermutlich wenig ändern.

Wieso? Sind wir hilflos? Und worauf können wir hoffen? Ich glaube in der Tat, dass wir guten Grund für eine überaus positive Zukunftshoffnung haben können. Allerdings glaube ich nicht an einen plötzlichen Aufstieg, ein Kollektiverwachen oder sonst eine planbare Wendung der herrschenden Systeme zum Guten hin. Vielleicht ist die Gegenwart mit einer Geburt zu vergleichen: ein schmerzhafter und langer Vorgang- mit einem überaus glücklichen Ausgang.

Zuerst einmal: die Suppe muss vollständig ausgelöffelt werden, die sich der Mensch eingebrockt hat. Und das hat er; es sind keineswegs sog. Sachzwänge, die die Situation „alternativlos“ gemacht haben. Ich möchte erklären, warum ich davon so überzeugt bin.

Warum begegnet uns heute eine Welt, die lieber das Absurde glaubt? Warum hat der Wahnsinn scheinbar mehr Erfolg als die Freiheit? Geht es im Kern um mehr, als um die neuerliche Erscheinung des immer gleichen Phänomens, nämlich des Größenwahns des Menschen? Wie weit ist es her mit der Mündigkeit des Bürgers?

„Great Resets“ gab’s schon immer, immer waren sie systemlogische Antworten gesellschaftliche Umwälzungen: die Weltkriege dienen hier als Negativbeispiele. Und solche Resets waren immer nur möglich, weil eine Masse unkritisch war. Soweit, so gut; nur warum ist sie es? Ein bisschen analysieren müssen wir also doch.
Ich fange an, so knapp wie möglich, ohne dabei auf die nötige Tiefe zu verzichten und ich hoffe, du folgst mir!

Ich wundere mich: Noch immer also wehrt sich die Mehrheit, das Destruktive zu erkennen, was unsere gewohnte Normalität- ob die alte oder die neue- mit sich bringt, und ich hoffe, dass du, lieber Leser, es erkannt hast. Aber warum erkennt sie es nicht?
Der Trotz ist die Antwort unserer Ich- Konzepte auf unsere Kindheit. Der Trotz hat zweierlei Optionen: die Positive ist das Tabu des Verrats elterlicher Werte, also das unbewusste Festhalten an ihnen, die Negative ist die Opposition dagegen. Insbesondere der Vater ist hier die prägende Kraft, die uns fest in ihrem Griff hat.
Wenn wir also über die Dinge reden, die gerade die Gemüter und die Weltgeschichte bewegen, müssen wir tiefer. Möglicherweise haben wir eine kollektiv- tiefenpsychologische Dynamik, die sich kaum erfassen lässt. Ich möchte trotzdem versuchen, hier einige Ansatzpunkte liefern.

Die tiefenpsychologischen Aspekte

Da ist zum Beispiel die urtümliche Angst, die der Mensch scheinbar „braucht“: schon immer war jeder Tag in gewissem Maße unsicher: wilde Tiere, fremde Stämme, Unfälle – der Tod war präsent. Mit dem Zusammenwachsen als Nationen schwanden gewisse Bedrohungen und die Gegenmaßnahme waren immer gewaltigere Kriege. „Memento Mori“ – gedenke deiner Sterblichkeit!- war die Begleitbotschaft. Gegenwärtig sind uns die Bedrohungen ein wenig ausgegangen – bis auf die ökologische Katastrophe, die aber ungreifbar ist und der es deshalb an alltäglicher Haptik zu fehlen scheint. Wir wollen betroffen sein, wir wollen uns auch wehren können. Der „Feind“ muss (an-)greifbar sein. Das kann für die einen das Virus sein, für andere die Querdenker und wieder andere die Geradeausdenker usw.

Und da finden wir die nächste Psychodynamik: die Projektion. Immer wieder wird dem Bösen, welches wir in uns selbst tragen, kein Raum zugestanden. Es ist in uns selbst nie anwesend, sondern in den Taliban, dem Kapitalismus, der Gier der Superreichen und so fort. Dabei wird übersehen, dass diese Phänomene nicht aus sich selbst heraus existieren, sondern mit unserer Zulassung, unserer Delegation (als Träger des Bösen, also als „Schuldige“) und unserer indirekten Billigung. Würden wir anerkennen, dass all das Teil eines großen Ganzen ist, würde jeder Unfrieden vermutlich schnell aufhören. Alles geschieht aus dem Feld heraus, welches wir in unserem Kollektivbewusstsein möglich machen. Niemand bringt etwas über uns; die Agenda der Machthabenden und der Initiatoren ist ein Spiegel, der uns unsere wirkliche Mündigkeit vorhält.

Die nächste Tiefendynamik ist die der Angstbewältigung: sind wir wirklich „Auswurf“ eines rein mechanischen kosmischen Zufallgeschehens, so können wir auf nichts hoffen. Wir werden unweigerlich verschlungen werden vom großen Unerhörten, dem kosmischen Tanz des Zufalls, wessen wir kurz Zeuge werden durften. Mit der Abschaffung Gottes und seiner Begleitbequemlichkeiten im gegenwärtigen Zeitgeist haben wir uns selbst den Boden entzogen. In unserer Vernunftwerdung hat Angst keinen Platz – und muss durch die Hintertüre kommen und uns wieder unserer Sterblichkeit erinnern. Das kann sie nicht mehr auf die archaische Weise unserer Vorväter – die technisierte und globalisierte Welt braucht einen adäquaten „Player“: ein Virus kann dies vollkommen tun, denn unser Umgang damit ist ein rein „vernünftiger“. Kontrolle ist das Werkzeug des Verstandes im Umgang mit Angst: Voilà!

Ein weiterer Grund ist unsere unbewusste Abhängigkeit von der Vaterfigur. Wir haben uns weder individuell noch kollektiv ausreichend von unseren Vätern emanzipiert. Still versuchen wir immer noch ihre Anerkennung zu erlangen oder definieren uns im Rebellentum gegen deren Ideale. Nicht umsonst stehen den monotheistischen Religionen UND Regierungen „Männer“ vor, denen man zu gefallen hat und die belohnen und ggf. strafen (Obwohl es ja die Frau ist, welche Leben gibt und gebiert und sich daher eher für die Gottesrolle eignen würde). Bei genauer Introspektion finden wir das in uns selbst. Gerade der Deutsche hat dazu einen starken Hang: „Vater Staat“ ist Versorger (den es nicht zu verraten gilt), Beschützer und Regelgeber (erschwerend kommt hinzu, dass in diesem Falle „Vater Staat“ durch eine Mutterfigur ergänzt wird). Diese Dynamik verhindert einen allzu kritischen Umgang mit staatlichen Maßnahmen generell. Der Vater ist „gut“, er hat es zu sein. Und wir bleiben Kinder, die hoffen, dass Papa es schon richtet. Kinder, die nicht selbst entscheiden können, was für sie gut ist. Kinder, die brav gehorchen.

Ein zentraler Punkt ist natürlich die Schuld. Unsere eigene Existenz hier muss gerechtfertigt werden; ein einfaches Sein als „Planetennutzer“ ist nicht erlaubt. Die „Erbsünde“ peitschte uns durch den Ablasshandel, durch den Kapitalismus (und Kommunismus) und sie ermöglicht den Kadavergehorsam heute. Noch immer gibt es also kein Bild vom Menschen, welches ihn wirklich in seine Würde hebt. Unbewusst halten wir an der Idee der Erbsünde fest – und wir wollen endlich befreit werden von dieser Last. Wir versuchen es mit Fleiß und Gehorsam ohne zu erkennen, dass wir damit niemals die Tretmühle verlassen. Beim Versuch, Schuld loszuwerden, verlagern wir sie: „die Anderen“ sollen sie haben; China, die Superreichen, die Eliten, die Flüchtlinge, die Großindustrie, die Faschisten usw. Und wir begegnen uns nicht mehr mit Wertschätzung, sondern in einem ewigen Gegeneinander. Wir Menschen behandeln uns schlecht, seit Jahrtausenden. Der Mensch ist des Menschen Wolf; alles Leid geht vom Menschen aus.

Als letzten Punkt will ich eine gewisse Unnatürlichkeit des globalisierten Umgangs miteinander nennen. Ich glaube, die Idee einer „geeinten“ Menschheit in wirtschaftlicher und politischer Lesart ist an sich ein Irrtum. Wir können innerhalb weniger Stunden den ganzen Erdball bereisen. Die Kolateralschäden sind weniger ökologischer Art: kulturelle Identität und Diversität verlieren ihre Ferne und Unverstehbarkeit, ihre Exotik und damit auch ihre Immunität – gemeint ist sowohl die soziale und biologische Immunität. All unsere Stärke liegt nicht mehr hier, Zuhause, sondern ist zerstrahlt in eine (scheinbare) tolerante und offene Welt. Schlussendlich ist auch diese physische Nähe aller Länder zueinander erheblich mitverantwortlich für Ausbreitung von Krankheiten.

Und jetzt fühlen wir uns hilflos, mehr noch, wir müssen Hilflosigkeit erleben. Wir haben keine Kontrolle. Und sie ist auch nicht herzustellen. Noch nie in den Millionen von Jahren biologischer Evolution hat es einen Eingriff von Menschen gegeben, dem er sein Überleben verdankt. Allerdings hat die Evolution es meisterhaft geschafft, mit Meteroideneinschlägen, Polsprüngen, Massensterben, Bakterien, Raumstrahlung und Viren fertig zu werden. Sie konnte immer ein Gleichgewicht herstellen. Hingegen hat jeder Eingriff des Menschen in biologische Vorgänge Ungleichgewichte nicht beseitigt, sondern immer verschlimmert: Gentechnik, Glyphosat, DDT, Bewässerungssysteme, Staudämme, usw, usw… jede „Verkünstlichung“ der natürlichen Entwicklung hat mehr Probleme verursacht, als sie zunächst zu lösen vermochte. Immer wurde das Alte „optimiert“ und der Fehler blieb. Die Prämissen stimmten einfach nicht. Und die Kontrolle ist das Bestreben, das Alte zu bewahren, weil sie das Neue fürchtet.

Wer sind wir..?

Uns fehlt derzeit die Demut zu sehen, wer wir als Menschheit sind. Wir werden zurück an unseren Platz müssen, den wir in dieser Welt haben. Und der besteht offenbar nicht darin, diese Welt zu beherrschen. Würden wir das einsehen, könnten wir auch groß werden! Denn: ich glaube, der Mensch verkörpert das „Interface“ zwischen der „göttlichen“ und der rein physischen Sphäre. Das im Menschen verkörperte Bewusstsein ist das Auge, mit dem sich die Welt selbst wahrnehmen kann. Im Menschen inkarniert „Gott“. Dieses höchste Bild, der „kosmische Anthropos“ (Jochen Kirchhoff) bindet den Menschen wieder an seine Heimatwelt an. Wir wurden hier nicht abgesetzt (oder ausgesetzt, wie es Douglas Adams im Bd. 4 des „Anhalters“ andeutet). Wir sind nicht lediglich Bewohner oder Passagiere; wir sind die Kulmination der Evolution. Möglicherweise „will“ die Evolution weiter, nun durch die bewusst – kreative Schöpfertätigkeit des Menschen.
Daher: es kann und darf kein Zurück mehr geben. Wenn ich zurückgehe, kann ich mich nicht NEU verhalten. Ich „weiß“ ja dann, wie „es geht“ und schließe echte Kreativität aus. Das Nichtwissen ist zwangsläufig der einzige Zustand, der wirklich kreativ ist. Und unbewusst manövriert sich die Menschheit genau dort hin.

Harmonie mit dem Kosmos
Ich bin daher davon überzeugt, dass „Maßnahmen“ (und überhaupt alle Handlungen des Menschen) nur dauerhaft in Übereinstimmung mit den kosmischen Gesetzmäßigkeiten funktionieren werden, welche uns hierhergebracht haben – ansonsten wird uns die Evolution entlassen und einen neuen „Versuch“ beginnen. Dieser Planet war einst eine glühende Gesteinskugel, auf welcher bewusstes Leben in unglaublicher Vielfalt entstanden ist. Dieser Vorgang folgte einer gewissen Inhärenz, einer Eigenlogig, einer Intelligenz jenseits unserer Definition, die Abweichungen nur in gewissem Ausmaß tolerierte. Für uns ist der biologische Aspekt dieser Entwicklung teilweise bekannt, andere Aspekte liegen völlig im Dunkeln. Doch halten wir i.d.R. nur die von uns messbaren und erkennbaren Aspekte für maßgeblich wirklichkeits-verursachend. Doch werden wir auch als dominante Spezies uns nicht darüber hinwegsetzen können, was jenseits des allgemein zulässigen Erkenntnishorizontes liegt.
Wir verhalten uns wie kleine Kinder im Waffenladen. Wir werden Hilflosigkeit erleben, die uns an einen Punkt der Erkenntnis führen soll, den wir noch nicht erreicht haben. Das wäre dann Bestandteil globaler Entwicklung – natürlich weit entfernt von unserer Definition.
Verstehen folgt dem Erkennen. Erst in dieser Reihenfolge geschieht Veränderung. Wir haben es auf den Kopf gestellt.

Es herrscht ein religionsfreier Glaube

Wir sind am Ende: der Kapitalismus als Fundament unserer Gesellschaft ist nicht länger aufrecht zu erhalten; wir haben Flüchtlinge, Ressourcenverknappung und Umweltzerstörung in nicht mehr zu haltendem Ausmaß, wir haben Luxus, der uns langweilt und Armut auf der anderen Seite, die uns auffrisst. Es muss etwas geschehen.
Wir haben Menschen als unsere Führer gewählt, die das, was man als „Vernunft“ bezeichnet, zur einzigen wertegebenden Realität erhoben haben – nun haben wir eine Welt, die so unvernünftig ist wie nie zuvor.
Diese Einseitigkeit lässt alles Menschliche verkrüppeln: Intuition, Spontanität, Träume, alles hat sich einer vereinheitlichten „Vernunft“ unterzuordnen, nur die Logik darf „Recht“ haben.
Warum? Weil wir glauben wollen. Wir entscheiden uns für das Irrationale, weil uns die „Heile Welt“, die wir verstehen und überschauen können, wichtiger und sicherer ist als das Ungewisse und Bedrohliche. Wir brauchen ein Objekt, das wir verantwortlich machen können für die Misere. Wir brauchen etwas, was „Schuld“ ist. Und der Glaube steht höher als reflektierte Einsicht – auch das sollten wir wissen. Der gegenwärtige Glaube macht sich scheinbar unsichtbar: er glaubt nämlich, den Glauben überwunden zu haben. Doch wie ist es wirklich? Wann gibt ein Mensch seine Überzeugungen zugunsten neuer Erkenntnisse auf? Offenbar nicht, wenn diese tatsächlich offensichtlich sind oder überwiegen, sondern wenn er sich dazu entscheidet. Bis dahin gilt in ihm der alte Glaube. Und dieser Glaube ist seine Welterklärung, sein „Richtig“. Es gäbe sonst keine einzige Sekte auf dieser Welt!
Alles ist Glaube; die innere Überzeugung, wie die Wirklichkeit außerhalb von mir beschaffen ist, welches ihre Regeln sind, was daher zu erwarten und zu tun ist. Noch nie folgte dieser Glaube einer neutralen „objektiven“ Wirklichkeit. Und auch das wissen wir. Menschliche Wirklichkeit ist Glauben – auch wenn er im Mantel der Wissenschaft oder Politik daherkommt. Das Wissen von gestern ist überholt – warum sollte das „Wissen“ von heute nun endlich der „Wahrheit“ entsprechen? Wir gehen uns andauernd selbst auf den Leim. Und immer deuten wir auf die Welt „da draußen“.

Alles ist Eins

Doch finden wir uns immer selbst vor. Wie bei einem Prisma zeigt das Große Ganze die Gestalt des Kleinen: alles ist fraktal und das, was gerade geschieht, ist das Abbild einer inneren Wahrheit seiner Teile. Dort ist Täuschung und Angst statt Verantwortung und Verbundenheit.
Wenn Liebe, Freude und Vertrauen in den meisten Menschen herrscht, werden wir eine Welt voller Liebe, Freude und Vertrauen vorfinden.
Was ist Natur? Das ist – gemessen am Verhalten der gegenwärtigen Gesellschaft- etwas „da draußen“, etwas, was man (gemäß dem Gebot Gottes an Adams Adresse) „unterwerfen“ muss. Wir selbst scheinen auf dieser Welt eher als Passagiere. Der Mensch hat sich nach dem „Sündenfall“ gelöst vom Gesamtorganismus ERDE, er hat sein Bewusstsein von dem des Tieres erhoben. Nun hat er vergessen, wo er herkommt – und welche Verantwortung er trägt. Sein Größenwahn drängt ihn weiter, ins All, in den Cyborg, er will nun auch die Ewigkeit beherrschen. Damit haben wir die Welt zu einem bedrohlichen Ort gemacht. Sie ist keine Heimat mehr, sondern eine Gefahr. Das Bedrohliche hat etwas martialisches, etwas unausweichliches: da ist die scheinbare Abhängigkeit von einem Finanzsystem, was sich unserer Regulierung längst entzogen hat, Maschinen, die lärmend und stinkend jede Stille zerstören und sich durch Mutter Erde fressen, jetzt fühlen wir uns bedroht von einem Virus- oder seiner Kur, je nach Überzeugung – die Zerstörung ist überall und systeminhärent.
Ein symbiotisches Aufeinander- Bezogen- Sein mit unserer Mitwelt gelingt uns nur in Ausnahmefällen. Aber wie sonst soll Harmonie auf einem Planeten möglich sein, wenn nicht genau das selbstverständlich ist?

Die Krankheit Ignoranz

Unsere Gleichgültigkeit ist verantwortlich für die bestehende „Krise“; täglich haben wir uns dem Leid in der Welt medial ausgesetzt, der Ungerechtigkeit und Profitgier, deren Nutznießer wir in unserer Komfortzone waren, täglich haben wir sie um der eigenen Bequemlichkeit willen gefüttert – mit unserem Konsum und unserer Arbeitsleistung. Wir tolerieren Gewalt und legitimieren sie als Unterhaltung in unserem Alltag.
Wir haben die Macht, eine Welt zu gestalten, die Macht, sie auf Erbarmen und Mitgefühl zu stellen – aber auch die Macht, sie den Mächtigsten zu überlassen. Wir haben immer die Macht, uns in Sensationslust zu baden, uns machtlos zu fühlen, uns dem zu unterwerfen, was wir als Sachzwang verstehen.
Allerdings können wir genauso gut aus diesem ewigen Spiel unseres Egos, des kleinen, sterblichen und auf sich bezogenen Teils unserer Identität, aufwachen, ehrlich werden zu uns und in unseren Beziehungen.
Nun polemisieren wir an virtuellen Stammtischen und ersehnen die Katastrophe oder ein Wunder herbei. Aber die „neue Realität“ wird uns mit uns selbst konfrontieren, jeden Einzelnen. Jeder wird gezwungen sein, Anteil zu nehmen: an den Folgen seiner eigenen Ethik. Das Kollektiv wird auf den Einzelnen zurückgeworfen werden.

Die (Er-) Lösung

Schmerz ist unser Lehrer seit Jahrhunderten. Wir erschaffen immer wieder aufs Neue globale Krisen, die zerstören, was wir lieben. Dann fühlen wir, dann werden wir bewusst und können das Leben wieder würdigen – bis uns diese Fähigkeit wieder abhandenkommt, bis sie verdrängt wird.

Der religiöse Begriff der Erlösung spielt eine große Rolle dabei: die Erlösung beinhaltet unsere Ahnung, unvollständig zu sein als Mensch, so wie wir jetzt sind. Wenn wir verstehen, dass alles unsere eigene Schöpfung ist, deren Ergebnisse jeweils auf uns zurückfallen, können wir uns selbst „erlösen“: wir können uns immer nachhaltig verhalten, wir kreieren eine Ethik von innen heraus, die alle Gesetze überflüssig macht, denn wir erkennen, wer wir sind: Teil einer Welt, die ausschließlich durch Kooperation existiert, die aufeinander bezogen ist und sich daher selbst nie schadet. Das wäre umfassende Liebe. Es wäre eine Haltung, die Besitz und Status überflüssig macht, weil die eigene Existenz nicht gerechtfertigt werden muss. Wir würden uns gegenseitig mit Achtung und Respekt begegnen, und unserer Heimat und ihrer Organe ebenso. Das Förderliche für das Große Ganze wäre handlungsleitend, nicht zuerst unser persönlicher Vorteil.
Wir würden die bestehenden Harmonien nicht stören wollen, sondern uns einfügen. Von hier aus könnten wir eine Welt des Überflusses kreieren, die keine Verlierer kennt. Ein Great Reset ist überlebenswichtig.

Allerdings: kein geplanter. Lebendigkeit ist bei genauem Hinsehen das Gegenteil von Planung. Wir sind nicht geplant hier. Wir sind als bewusste und liebende Wesen mit einem brillanten Verstand emergentes Ergebnis der Selbstwerdung des Kosmos (gr. „Alles“), also Gottes. Evolutionsgeschichtlich sind wir sehr junge Wesen- die jüngsten überhaupt hier. Jetzt haben wir vielleicht genug Erfahrung gesammelt, wie wir diese Brillanz im Dienste des großen Ganzen einsetzen und eine wundervolle Welt für alle („Alles“) erschaffen können.
Wir müssen das nicht erkämpfen, sondern einfach leben.

Die Krise: das Tor in eine letzte Epoche

AUfbruch in eine neue Welt PDF

„Am Ende ist alles ein Witz“ – Charlie Chaplin

Die Krise der Gegenwart ist vielleicht nicht nur eine Krise, die Infolge eines zufällig aufgetauchten und  gefährlichen Virus die Gesellschaft zerrüttet und die Ökonomie bedroht. Möglicherweise ist die Krise ein notwendiger und logischer Wendepunkt im Laufe der menschlichen Geschichte. Sollte das der Fall sein, dann wäre eine historische Reflexion hilfreich. Als weitere Zutat darf nicht fehlen, was den Menschen im Innersten antreibt; fangen wir aber zunächst mit der Historie an. Aber zuerst eine spekulative Hypothese: was, wenn der Mensch die "Aufgabe" hätte, die Evolution auf der Stufe relektierter Bewusstheit fortzuführen? Wenn er das, was die rein biologische Natur bisher geleistet hat -ein gewaltiges Flechtwerk des Aufeinander- Bezogen-seins-, um eine neue Dimension erweitern "soll"? Könnte er diesen "Auftrag", den er verkörpert, verfehlen?

Selbstverwirklichung, persönliche Erfüllung und der Anspruch an individuelles Lebensglück sind ziemlich junge Vorstellungen. Noch vor wenigen Jahrzehnten waren solche Ideen nur einer dünnen Oberschicht vorbehalten- was vom Proletariat auch kaum Infrage gestellt wurde. Jahrhunderte lang war Leben gleich Überleben. Alltag bestand in der Routine der Überlebenssicherung. Dabei fällt bei nüchterner Betrachtung auf, dass Regierungen aller Formate nicht ernsthaft die Wohlfahrt ihres Volkes im Sinne hatten, sondern in aller erster Linie die Mehrung des Reichtums und des politischen sowie wirtschaftlichen Einflusses ihrer Oberschichten. Das Individuum mit all seinen (Menschen-) Rechten spielte keine Rolle in Fragen der Definition von Lebensqualität. „Menschenmaterial“ als kollektive Kalkulationsgröße diente in Kriegen und bei der Verwirklichung wertschaffender industrieller Entwicklung niemals den Interessen der beteiligten Individuen. Alle etablierten Systeme dienten ihrer eigenen Selbstverwirklichung und ihrer eigenen Ideale. Dabei waren Macht und Abhängigkeit diejenigen Größen, die das „Spiel“ im Gang hielten.

Nachdem das römische Reich seine Vormacht, welche durch wirtschaftliche und militärische Abhängigkeit der involvierten Völker aufrecht erhalten wurde verlor, wurde die römisch-katholische Kirche oberste Autorität in Europa. Ihre Macht basierte nicht vordergründig auf militärischer Gewalt (auch wenn sie es letztlich war, die die weltlichen Organe dazu legitimierte), sondern arbeitete mit „intrinsischer“ Motivation: Schuld war nun die Verbindlichkeit, die Menschen abhängig machte. Hier finden wir bereits mühelos eine Kraft, die den Menschen im innersten antreibt: der Wunsch nach "Erlösung". Im Ahnen dessen, nicht nur „diesseitiges“ Wesen zu sein, sondern Teil einer göttlichen Sphäre, versucht der Mensch sein Verloren-sein im Diesseits wieder aufzuheben.  Das Leben erscheint mühsam; entsprechend des Fluches Gottes, als Adam des Paradieses verwiesen wurde: „Im Schweiße deines Angesichts wirst du dein Brot essen, bis du wieder zu Erde werdest, davon du genommen bist“. Im Terminus moderner Populär- Psychologie würde man von einem „Glaubenssatz“ sprechen, der zur „Self-fullfilling-Prophecy“ geworden ist. Der Mensch war von da an kein integraler Teil dieser Welt mehr. Andererseits war er auch kein reiner Teil der göttlichen Welt, sondern dort quasi „verloren gegangen“. Erschwerend kommt hinzu, dass dieses Verlorengegangensein zwar einerseits ein Bewusstsein seiner Selbst mit sich brachte, andererseits aber die Ächtung Gottes. Das Tier- Stadium war also überwunden, der Preis dafür die Schuld. Der Versuch, sich selbst von Schuld zu befreien, prägte von nun an die sich entwickelnde patriarchale Welt (in matriarchalen Kulturen gibt es keine Schuld in vergleichbarer Form). Die Schuld wurde mit der Zeit unbewusster Motor des kulturellen Innovationszwangs. Zunächst aber wurde sie in bekannter Weise von der Kirche instrumentalisiert. Luthers Versuch der Befreiung verschärfte das Problem nur, was schließlich die Entstehung einer denkerischen Kultur begünstigte, die sich von der ewigen Abhängigkeit höherer Macht loslösen wollte: die Aufklärung. Die Phänomene erklärbar zu machen, Transzendenz überflüssig zu machen, den Mensch und seine Wirklichkeiten zu materialisieren – das würde der Schuld den morastigen Boden entziehen, so der Tonus. Der Mensch würde sich wie Baron Münchhausen am eigenen Schopf aus dem Moor ziehen und nun endlich in seine Rolle als „Krone der Schöpfung“ einziehen können. Schuld wäre als Glaubenssatz und moralischer Zwang durchschaut und entmachtet. Nun war es nicht mehr nötig, ständig Altes zu wiederholen und Stagnation für Stabilität zu halten. Gottes Reich sind wir selbst! Und der Schöpfer sowieso!

Ab jetzt durfte Erschaffen werden, was ging. 4000 Jahre zuvor hatte Gott persönlich diese Hybris beim Turmbau zu Babel vereitelt. Diesmal war der Mensch schneller- oder Gott gleichgültiger. Zurück zum verlorenen Paradies, zurück zur Allmacht – diesmal auf technischem Wege. Da Schuld vor Gott abgeschafft worden war, konnte daher auch entsprechend rücksichtslos gegenüber dessen vermeintlichen Schöpfung vorgegangen werden. Dass er seine Gottgleichheit destruktiv anging, dämmerte dem Menschen erst, nachdem seine Kriegsmaschinerie in der Realisierung der Atombombe mündete. Fast 200 Jahre zuvor hatte Nietzsche den Tod Gottes durch Menschenhand bereits beklagt; und wenn die Katze aus dem Haus ist, tanzen bekanntlich die Mäuse auf dem Tisch.

Inzwischen hatte der Mensch in seinem Versuch, sich von Schuld zu befreien, eine unerträgliche Menge davon aufgeladen. Die Welt war zu einem gigantischen Monopoly- Spiel geworden. Was anfangs noch kolonialistisches Machtausweiten war, wurde zunächst zu einem globalpolitischem, dann zu einem geostrategischen Spiel, bei dem es um Ressourcensicherung ging. Terretorialkämpfe erübrigten sich immer mehr. Ländergrenzen spielten eine immer unbedeutendere Rolle. Mitverantwortlich ist die Entwicklung einer Waffentechnologie, deren Verwendung den Sinn ihrer Anwendung ab absurdum führen würde. Ein durch einen Atomschlag besiegtes Land ist ein wertloses Land. Entsprechend unbedeutend wurde konventionelle Kriegführung, die mehr aus wirtschaftlichen Interessen fortgeführt wurde, als aus real- politischen. Aus diesem Grund wurde es sogar nötig, Kriege unter falschen Prämissen zu inszenieren. So ist die Generierung und die Akkumulation von Reichtum nicht mehr die hauptsächliche Motivation der Machtinnehabenden, sondern Einfluss im Geostrategie- Monpoly. Unter der Einführung des Giralgeldes konnte Reichtum in unbegrenzter Menge erschaffen werden, und durch das Zinseszins-System sammelte sich der Gewinn automatisch bei den Besitzenden.

Nationale Kultur wurde nach und nach nicht mehr als natürliches Differenzierungsmerkmal der Völker gesehen; da kulturelle Grenzen früher mit den politischen Grenzen meist deckungsgleich waren, lösten sich nach progressiver Öffnung letzterer erstere mit auf. Die Kultur des Finanzkapitalismus mit seinen Regeln durchdrang immer mehr die Bevölkerungen.

Nun ist der Mensch als Kulturwesen noch zu sehr individuell. Der individuelle Mensch aber ist nicht völlig instrumentalisierbar. Er ist nur bedingt führbar. Diese Freiheit beinhaltet eine gewisse intellektuelle Autonomie, die ihn schwerer in eine Welt integriert, die nicht einer „natürlichen“ sondern einer geplanten Dynamik folgt- oder folgen soll. So wurde dem kulturellen Verfall und der Auflösung seiner Membranen subliminal Vorschub geleistet.

Grundlage einer solchen Welt war die Versachlichung des Menschen selbst. In einer Scheinfreiheit, in der er anscheinend unbegrenzt konsumieren konnte, war er selbst für die Erhaltung seiner Tretmühle zuständig. Die Inhaber der „Produktionsmittel“ waren ja bisher gezwungen, ständig neue Anreize zu schaffen, die dafür sorgten, dass der „Prosument“ sich dieser Mühle nicht gewahr wurde. Die Belohnung am Ende seiner Mühe musste immer lohnender erscheinen als der Einsatz dafür. Die Halbwertzeit erworbener Güter sowie die Erreichbarkeit kaufbarer Abenteuer mussten medial immer kürzer getaktet werden. Dabei verlor der Mensch unmerklich sein Unmittelbar-sein, sein individuelles Sein in der Welt und im Bezug dazu. Nicht seine authentische Wirklichkeit waren zulässiger Maßstab für sinnvolles Leben im Bezogen- sein auf sich selbst und seine intime Sphäre, sondern eine Flachland- Welt, instant vorstellbar und abrufbar in Social- Media. Der Voyeurismus und sein Gegenstück, der Exhibitionismus, die daraus als gesellschaftlich inhärente Normalität  erwuchsen, befeuerten diesen Prozess von innen.

Die Freiheit- die Befreiung von der Schuld von der Abhängigkeit, vom göttlichen Fluch und damit von der eigenen Sterblichkeit- war noch immer der Wert, der die Triebkraft dahinter bildete. Dazu bedurfte es immer größerer Monumente menschlicher Lebenswirklichkeit, die den Menschen vergöttlichten oder besser- zum Anti- Gott machten: Atomkraft, Ressourcenabbau, Zerstörung gewachsener Ökosysteme zugunsten eines konsumierbaren Jetzt- Lebensstandards, der natürlich nur für verhältnismäßig wenige Begünstigte wirklich verfügbar war.

Und wieder stellt man fest, dass auch hier nicht die Erlösung zu finden ist. Rein rechnerisch ist das aktuelle Erlösungs-Modell auch nicht zukunftsfähig, das ist den Monopol(y)isten auch klar. Es ist nicht zu behaupten, dass diese „Globalplayer“ nur Schlechtes im Sinn hätten. Nein, denn immerhin ist der Mensch in seiner Schöpferkraft a priori „göttlich“ legitimiert. Der Mensch ist ein auf Wachstum angelegtes Wesen: im Verständnis der patriarchalen Gesellschaft besteht dieses Wachstum allerdings allem Anschein nach ausschließlich im „Untertan machen“ der Erde, wie es der männliche Schöpfergott schon Adam befohlen hatte. Ein integrales Wachstum mit der Erde (gedacht als Gesamt-Ökosphäre) kam in seiner Ideenwelt kaum vor; zumindest fand es noch nie statt. Es geht also um Entwicklung. Dazu braucht es Erfahrung. Diese muss eben von Zeit zu Zeit initiiert werden.

Nun stehen wir an einem Punkt der Geschichte, an dem eine Vielzahl von Erkenntnissen offensichtlich geworden sind. Da wären beispielsweise:

  • Wir sind eine Spezies, die einen Planeten bewohnt, dessen Ökosphäre äußerst zerbrechlich ist und dessen Strapazieren durch menschliches Verhalten zu seinem Kollaps führen kann.
  • Die Aufteilung des Planeten in Länder und die gewaltsame Neuverteilung dieser Topographien dienen langfristig keinem zeitgemäßen Ziel mehr.
  • Die globalisierte Wirtschaft erzeugt naturgemäß Verlierer, die diesen Status nicht dauerhaft in Kauf nehmen werden.
  • Die weiter wachsende Bevölkerung dieses Planeten korreliert nicht mit seiner aktuellen Wirtschaftsform. In Folge dessen kommt es zu dramatischer Verknappung von Lebensmitteln.
  • Das Generieren von Wohlstand ist im momentanen Modus nur für eine kleine Elite möglich, und das zudem auf Kosten der Mehrheit der Planetenbewohner.

Wie soll man mit einer solchen Lage umgehen, die offenbar dauerhaft unhaltbar ist? Wie lange könnte man die „Mühle“ noch am Laufen halten, indem man den Eindruck vermittelt, eine progressive und innovative technologische Erneuerung würde uns sanft um den Abgrund herumführen, über dem wir bereits hängen?

Verschärfend zur Lage kommt hinzu, dass eine unkalkulierbare Parallelwelt entstanden ist, in welcher die Menschheit tatsächlich in gewisser Weise vereint ist: die digitale Welt des Internet. Das Internet folgt derzeit primär den Systemlogiken der Wirtschaft und wird damit weiter zur Monopolisierung der Wirtschaftsmächtigen beitragen und konventionelle Wirtschaftsformen wie den Einzelhandel verdrängen. Reziprok dazu besitzen die Inhaber der Internetwelten den größten Einfluss, denn Menschenwirklichkeit wird zunehmend dort gestaltet und gelebt. Auch Terror oder Krieg gehen nun von hier aus: mit vergleichsweise bescheidenem Einsatz an Material lassen sich heute neurale Punkte unserer Welt außer Kraft setzen: in einem Versuch hackten sich Studenten in die Systemsteuerung eines Kernkraftwerks.

Die Interdependenz heutiger Technologien macht sie anfällig. Der nächste „Evolutionsschritt“ scheint unumgänglich und es dürfte klar sein, dass wir nicht elegant hinein gleiten werden.

Was also sollen die „Monopolysten“ tun? Die gegenwärtige Systemarchitektur ist nicht zukunftsfähig. Um 1800 herum beschrieb der englische Ökonom Thomas Malthus ein Szenario, in welchem die Bevölkerung exponentiell wächst, während die Nahrungsmittelproduktion dies nur linear tun kann. Zwar hat Gentechnik und die Maschinisierung der Landwirtschaft die Erträge erhöht, doch letzten Endes finden wir uns in der von Malthus beschriebenen Problematik wieder. Aus den damals lebenden 700 Millonen sind knapp 8 Millarden Menschen geworden, mit stets steigender Tendenz. Was tun?

Aus Einsicht alleine reduziert keiner seinen Standard, zumal jede Standardreduzierung das System selbt schwächt. Eine Umgestaltung hin zu „Nachhaltiger Wirtschaft“ ist bei genauem Hinsehen ein Paradox in sich selbst und nicht gewünscht, außerdem ist Wachstum Lebensbedingung des Systems. Außerdem ist die Büchse der Pandora geöffnet: Milliarden Inder, Chinesen und Schwarzafrikaner erstreben derzeit den Lebensstil des Systems- zu einer Verwirklichung dessen brauchen wir einen Planeten in Reserve. Kurz: das System steht sich selbst im Weg. Seine Prämissen sind auf Dauer sein eigener Untergang. Es ist alternativlos.

Was käme gelegen?

So ein Virus ist eine Erscheinung mit Breitenwirkung. Nicht nur, dass es auf gewissermaßen „natürliche“ Art die Anzahl der Erd-Nutzer reduziert. Es ermöglicht die Ergreifung von Maßnahmen auf globaler Ebene. Die synchrone Strategie zur "Bekämpfung" des Virus dient einem scheinbar hohen moralischen Zweck, der glaubwürdig und vertretbar ist: dem „Schutz“ des Menschen. Der einzelne Mensch, der Bürger, unfrei seit Jahrhunderten, folgsam aus Schuldgewohnheit, ist lange nicht mehr der Inhaber der Hoheit über Fragen seiner eingenen Gesundheit. Er ist nicht befugt, Entscheidungen solch immenser Tragweite zu treffen. Im Gutglauben an die Integrität der Führenden vertraut er in deren Kompetenz- auch wenn er es besser wissen müsste. Denn diese dunklen Epochen sind ja vergangen: wir haben uns durch Einsicht den Zeiten entwunden, in denen er nur Mittel zum Zwecke war.Oder nicht?

Vielleicht fehlt ihm auch nur der Mut, selbst Schlüsse nebst Konsequenzen zu ziehen. Oder es fehlt ihm die Fantasie, eine Welt zu imaginieren, die ihm wirklich gefällt. Oder das Vertrauen, dass jeder in seiner eigenen Existenz hier auf dieser Welt auch von ihr getragen wird.

Wie auch immer. Wenn wir von einer höheren Warte aus schauen, dann ist der Mensch als Homo Sapiens scheinbar am Ende seiner Möglichkeiten angelangt. Er hat Großes vollbracht. Goethe und Bach, Gandhi und die Beatles. Hundertwasser und Picasso. Oppenheimer und Lao-tse. Er erfand die Uhr und seine Zeit, flog zum Mond und erklärte die Welt. Er bestimmte Urknall und Quantenverschränkung. Zeit für ein Update. In der Post- Viralen Geschichte werden wir vernetzt sein, offengelegt, transparent. Ein System des Funktionierens, die finale Fassung männlichen Kontrollwahns.

Der neue Typ Mensch ist ein Hybrid. Transhumanismus könnte ein analoges Ideal zu dem werden, was vor 80 Jahren der Arier in Deutschland war. Der neue Mensch ist selbst dann interaktiver Teil der digitalen Welt. Er speist sein SEIN in die sich selbst andauernd optimierende K.I. ein, die nun ihre eigenen Regeln schafft. Freiheit im gewohnten Sinne gibt es hier kaum mehr, denn wie wir gesehen haben, ist diese Freiheit für Mensch und Umwelt kein Gewinn. Der Mensch ist kein Wesen, das Verantwortung übernehmen kann, denn die ist immer an Freiheit geknüpft. Unsere Erfahrung aber zeigte, dass diese Freiheit immer die Unfreiheit des Anderen beinhaltet und schon im Ansatz unkontrollierbar ist, weil spontan. Spontanität als Merkmal des biologisch-Lebendigen gilt es aber nun zu kontrollieren, ihm Einhalt zu geben. Individuelle Kreativität muss aufgegeben werden zugunsten einer Kollektiv-Kreativität, die dank ihrer überlegenen Rechenleistung das Risiko des Scheiterns von vornherein minimiert.

Die Epoche des „Ich“ mit seinen sich immerwährend ändernden Bedürfnissen endet. Wir können uns diese Welt nicht mehr leisten. Wir brauchen eine Welt, in dank Kontrolle jede Katastrophe verunmöglicht. Absolute Kalkulierbarkeit erfordert absolute Kooperation. Echte Individualität im Sinne von Selbstbestimmtheit, intellektueller Autonomie und gesundheitlicher sowie ökonomischer Autarkie bedeuten dann Außenseitertum, und das ist eine Gefahr für das sich etablierende System. Das neue posthumane System ist ein sich selbst beobachtendes und selbstregulierendes System, welches ausschließlich nach Kriterien einer selbst definierten Nützlichkeit agiert. „Wir, die Gesundheitsaktivisten, möchten Ihnen daher alles bereitstellen, was nötig ist, damit Sie auf sich selbst aufpassen und sich gesunde Lebensgewohnheiten aneignen können, angepasst an die Bedürfnisse der Zeit, in der wir uns gerade befinden.“ So liest sich die verwaschene Werbung für ein entmündigtes Gesundheitssystem bereits heute (DGV Seguros). „Mehr Telemedizin“, verfügbar in allen Fachbereichen, gleich der Fernwartung meines Computers. Ja, in welcher Zeit befinden wir uns denn? Worüber sollte ich mir Sorgen machen? Und in welcher Zeit befanden wir uns vorher? Der Zynismus an der posthumanistischen Idee ist der, dass es möglicherweise nie einen Humanismus gab. Aufgrund fehlender Fähigkeit haben wir noch nie eine Welt des Friedens und Miteinanders verwirklicht. Dass kritisieren Vertreter des Posthumanismus, ohne allerdings das Eingeständnis, selbst Teil dieser Reflektion zu sein und die Möglichkeit in Betracht zu ziehen, nie ernsthaft für den Versuch einer friedlicheren Welt eingestanden zu haben.

Das mehrheitliche Denken repräsentiert dann, in dem antizipierten Szenario,   ausschließlich die Konventionen. Als mündig gilt der Angepasste. Er hat sich von seinem Kritikvermögen verabschiedet, was der Betroffene selbst natürlich vehement bestreiten würde. Doch ist er ausschließlich an die einzig zulässige Quelle gültigen Wissens und aktueller Wahrheit angeschlossen, die in scheinbarem Pluralismus alle Medien steuert und synchronisiert. Nur so ist Gleichklang und Friede gewährleistet. Freilich war eine solche Entwicklung schon lange vorher sichtbar, doch „der Wahnsinn wird unsichtbar, wenn er ausreichend große Formen angenommen hat“ (B. Brecht). Der Mensch ist "End- mündig" geworden, denn er spricht mit seinem Mund nicht mehr für sich selbst.

Menschliche Tiefe im Real- Kontakt spielt kaum eine Rolle mehr, denn gerade sie begünstigt Unkalkulierbarkeit. Deshalb werden Lebenswelten immer weiter in virtuelle Räume verlegt. Solche Räume repräsentieren kein „Innen“ mehr, sondern sind „Außen“, sie besitzen also eine höhere Verbindlichkeit und Unmittelbarkeit als physische Welten. Dort sind die Grenzen nicht fest wie in der physischen Welt, sondern sie werden festgelegt. Mittels Algorhythmen lässt sich darstellen, wer ich bin. Der digitale Raum kennt nur Vergangenes, denn „ich“ bin eine Datensammlung im System. Damit kann ich nie ganz gegenwärtig sein, nie mehr wirklich aus dem Moment heraus. Der digitale Raum kennt Freiheit und Individualität naturgemäß nur in seiner Gestrigkeit. Der Mensch als "gestimmtes" Wesen seiner individuellen Gegenwart lebt nicht mehr aus dieser Wirklichkeit heraus.

Da sich Freiheit aber über das nicht - Festgelegte definiert, hat sie keinen Raum mehr. Die digital- Reality hat nur eine „Vorderseite“, nämlich die Sichtbarmachung der ihr zugrunde liegenden Parameter. Damit ist ein individuell- mystischer Zugang zur Welt nicht möglich; subjektive Erfahrung  hört auf, erste Erfahrungswirklichkeit und Gültigkeit zu sein. Ihre Unberechenbarkeit und Offenheit ist Teil der Bedrohung.

Kontingenzbewältigung (also die Bewältigung unkalkulierbarer und unerwünschter  Möglichkeiten) hat als oberster Wert die Freiheit abgelöst, unter der Generalrechtfertigung der „Volksgesundheit“ vereint sich Wahrheitsdefinition zusammen mit Regelformulierung und Gewaltenmonopol zentralistisch beim Staat.

Durch die Abschaffung aller Metaphysik- oder deren Umwandlung in virtuelle Welten- verliert der Mensch endgültig seinen göttlichen Ursprung und seine Anbindung daran. Der Sündenfall ist aus der Welt geschafft, der Mensch wurde wie beim Turmbau zu Babel „wie die Götter“. Er selbst legt das Maß seiner Existenz fest, den Rahmen, der – der metaphysischen Dimension beraubt- nun wild zweidimensional rein materialistisch weiterwuchern kann. Die Suche nach Sinn erübrigt sich, denn Sinn ist bzw. war das auf sich selbst beschränkte Wachstum. Angst wird eliminiert, weil die Welt nahezu vollkommen kalkulierbar und beherrschbar gemacht wurde. Die Weltseele ist online, der Heilige Geist das Internet, die digitale Offenbarmachung meiner Lebenspraxis die Beichte. Die Priesterklasse, verkörpert durch die erlaubniserteilenden Regelinhaber, erteilt uns die Absolution, wenn wir uns demütig und ehrfürchtig den auferlegten Maßnahmen unterwerfen.

All das ist wäre die Krone ("Corona") des Versuchs, männlicher Unterwerfung der Schöpfung und Selbstermachtung. Nun ist Gott endgültig tot. Und wir haben ihn getötet. Religionen sind samt Relikte der Vergangenheit und Beispiele menschlichen Scheiterns. Jede religiöse Attitude ist Merkmal verklärter Weltfremdheit und Realitätsferne- es sei denn, sie drückt sich in den Konformitätssymbolen der neuen „Wahrheit“ aus, die dem Träger als „Gläubigen“ Zugang zur Welt ermöglichen- und wenn es so scheinbar banale Dinge wie der Mund- und Nasenschutz ist. Deren Wirksamkeit ist eine psychische, die Grundlage ein Glaubenskonstrukt; damit ist der Mensch wieder im Aberglauben angekommen, welcher sich bekanntlich dadurch auszeichnet, an irrationale Inhalte zu glauben.

Der Mensch, das fühlende Wesen der Innenschau, intuitiv handelnd, “Gestimmt“ und in Beziehung stehend, ist selbst  zur Bedrohung der Freiheit geworden. Er ist Fremdkörper in der Welt geworden. Nun kann er sich aber nicht aus der Welt schaffen, sondern muss seine Umwelt seinem Modifizierungswahn angleichen. Das geht nur in künstlichen Räumen, die auf alle Sphären menschlicher Aktivität auszuweiten sind. Im Real-öffentlichen Raum bedarf es freilich einer ähnlichen Gleichschaltung, bei der nicht tatsächliche Funktionalität, sondern zu demonstrierende Konformität die ausschlaggebende Rolle spielt.

Damit bekommen wir alles Leid langfristig in den Griff- natürlich nur mit den Methoden  patriarchaler Kontrollpraxis. Die Antropomorphisierung der künstlichen Welt ist in Wirklichkeit eine Verkünstlichung der Menschenwelt. Dadurch sind wir in unserem Verortet-Sein in dieser Welt endlich sicher. Das Diktat des Machbaren regiert nun uneingeschränkt.

Damit ist die Menschlichkeit in ihrer Grundcharakteristik abgeschafft. Die Conditio Humana ist transformiert, die Bedingungen des sich im Menschen manifestierenden Bewusstseins sind eingehegt in Prozessor-Intelligenz, die lernt, aber nie versteht, die berechnet, aber nie erkennt. Die Umwelt ist nicht mehr Mit-Welt, sie ist Schauplatz, entsprechend der stillen und jahrtausendalten Konvention, als Mensch hier fremd zu sein. Anstatt ganz Mensch zu werden, „erkennend Gut und Böse“, also moralisch reifes und autonomes Wesen, tritt er hinter diesem Anspruch regressiv zurück, um die eigene Gefährlichkeit in Schach halten zu können.

Die Aufgabe gesundheitlicher Selbstbestimmung war der Anfang des Abgekoppelt –seins von Natur und Natur- Ich. Mit der Bereitschaft, um seiner vermeintlichen Sicherheit willen diese Hoheit aufzugeben, war der Bann gebrochen: „Complience“, Mitspielen, heißt die neue Überlebensformel, die mich als Mensch eingliedert in die Große Maschine – eine alte Rolle in neuem Gewand.

Wo ist der Ausweg?

Zurück zur Anfangs erwähnten These: kann es sein, dass der Mensch seinen Daseinszweck verfehlt hat? Wäre es möglich, dass das, was wir in der derzeitigen Krise erleben, der regulierende Versuch einer Über-evolutiven Ordnung ist, uns darauf "aufmerksam" zu machen? Wäre ein "Reset" in Richtung Verbundenheit, Kooperation und Liebe möglich? Ein Bewusstsein darüber wäre ein Anfang.