Ausstieg aus einer Sekte oder einer Glaubensgemeinschaft

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Der Ausstieg oder Abschied aus einer Glaubensgemeinschaft ist meist mit einer gewaltigen Lebenskrise verbunden.

Aber wie alle Krisen beinhaltet auch der Ausstieg eine Chance: das chinesische Schriftzeichen für „Krise“ besteht daher beispielsweise aus zwei Symbolen. Das eine bedeutet „Gefahr“, das andere „Chance“. Die Gefahr auf dem "falschen" Weg unterwegs zu sein, beinhaltet die Möglichkeit, die Chance, den passenden Weg zu finden.
Wie kann eine Ablösung oder ein “Ausstieg” erfolgreich sein? Wenn wir auf die Zeit als Mitglied des Glaubens-Systems mit Wehmut, Zorn, Verbitterung, Selbstverachtung, Scham, Schuld oder ähnlichen Gefühlen zurückblicken, werden wir diese Zeit als verloren oder vergeudet ansehen. Wir werden mit dieser Vergangenheit nie vollständig abschließen können – sie wird immer in unsere Gegenwart hineinwirken.
Eine Ablösung bedeutet nicht nur ein „frei – werden – von“, sondern eine „Freiheit – zu – etwas“. Eine solche Freiheit integriert die gemachten Erfahrungen und erlebt sie letztendlich als Bereicherung. Die Möglichkeit dazu will ich dir aufzeigen, ebenso die möglichen “Fallen” auf dem Weg dorthin. Es ist eine gefährliche Illusion zu glauben, mit dem Ausstieg nun die Täuschung hinter sich gelassen zu haben und fortan einen klaren Blick für die Wirklichkeit zu haben. Die Gefahr, in das nächste Gefängnis der als Wahrheit getarnten geistigen Konzepte zu gelangen, ist erheblich. Siehe auch dazu den von mir verfassten RATGEBER “Das versprochene Paradies”.

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Ausstieg aus dem System – wenn ich nicht mehr kompatibel bin

Corona hat vieles in Schwung gebracht- vor allem scheint die Krise verdecktes an die Oberfläche zu zwingen. Vieles, was latent schlummerte, wird sichtbar; im System genauso wie im einzelnen Menschen.

Es scheint fast unmöglich geworden zu sein, als Mensch auf diesem Planeten eine beschauliche, friedliche und sichere Existenz zu führen. Wir haben es als einzige Spezies geschafft, uns derart in Abhängigkeiten und Bedrohungen durch uns selbst zu verstricken, dass wir uns nicht mehr vom Leben getragen fühlen. Im Gegenteil scheinen wir das Leben  (er)tragen zu müssen.

Eigentlich müsste es dir gut gehen – Job stimmt, im Großen und Ganzen fehlt nichts- aber das Gefühl sagt etwas Anderes. Der innere Kompass ist mit dem bestehenden Kurs gar nicht einverstanden.

Und tatsächlich ist es so, dass es das Gefühl ist, was über das Glück bestimmt, nicht der Kopf.

Egal, was es genau ist, was deine Inkompatibilität mit dem System (oder Teilen davon)deutlich gemacht hat: irgendetwas musst du verändern. Aussteigen?

In die Höhle ziehen? Soll  ein verändertes „Außen“ mein Inneres wieder zu tiefem Glück verhelfen? Möglicherweise; das ist aber meist eher eine Folge, als eine Voraussetzung.

Es gibt leider keine Schritt- für Schritt- Anleitung zum „Aussteigen“. Weil der „Ausstieg“ immer innen beginnt, bevor er in irgendeiner Weise außen vollzogen werden kann, ist er höchst individuell. Aussteigen ist auch nichts Einmaliges. Es ist ein ständiges Abgleichen und neu ermitteln.

Jede Unzufriedenheit birgt ein gewaltiges Potential. Unzufriedenheit ist der deutliche Hinweis darauf, dass etwas nicht stimmt, nicht stimmig ist. Unzufriedenheit ist die Aufforderung sein Leben zu überdenken und Veränderungen einzuleiten.

Leider haben wir in unserer Kultur gelernt, Unzufriedenheit als „normal“ in unser Leben zu integrieren. Es stehen verschiedene Methoden und Mittel zur Betäubung zur Verfügung – gejammert und geklagt wird gerne und viel, wirklich besser wird es dadurch nie. Dadurch bleibt die Unzufriedenheit ein unglücklicher, weil zahnloser Tiger.

Der Glauben an die Unveränderbarkeit der „Realität“ ist es, der die zementiert. Die Welt ist eben so, wie sie ist, weil wir es zulassen. Das muss aber nicht so bleiben.

Ist der Samen erst einmal gekeimt, gibt es kein Zurück. Du wirst etwas tun müssen. Kein Aktionismus wird dauerhaft helfen. Du musst an die Wurzel gehen: radikal eben.

 

Ofen aus? Ausstieg aus einer Beziehung

Liebe und Lebendigkeit sind komplementäre Eigenschaften. Eine tote Liebe gibt es nicht. Lebendigkeit aber zeichnet sich durch Veränderung und Wachstum aus. Wenn ich mich frage, ob Veränderung und Wachstum essentiell sind in meiner Beziehung, und bei der Beantwortung nachdenklich stocken muss, wäre ein Check keine schlechte Idee, will man sich weiterhin glaubhaft als lebendig und glücklich bezeichnen.

Wie viel Realität verträgt die romantische Liebe? An dieser Stelle wird deutlich, dass meine Vorstellung von romantischer Liebe  nicht ganz realitätskompatibel war. Aber vielleicht ist die Realität der Liebe noch viel romantischer als meine Vorstellung von ihr?

Vielleicht scheitert nur meine Vorstellung, nicht aber die Liebe an der Realität. Da ich die Welt und die Anderen nicht verändern kann, wird sich die Realität nur ändern, wenn ich bei mir anfange.

Also: „bring me an higher love!“- das kann geschehen, vielleicht in deiner jetzigen Beziehung, vielleicht in einer kommenden. Lebendigkeit und Echtheit sind die Schlüssel dazu. Es wird nicht möglich sein, wenn du in einer „Partnerschaft“ lebst. Partnerschaften gibt es geschäftlichen Beziehungen; dort braucht der Eine etwas, was der Andre hat. Dafür bezahlt er mit einer Gegenleistung. Partnerschaften erübrigen sich, wenn ihr Zweck erfüllt wurde oder sich erübrigt. Ihre Aufrechterhaltung wird dann „unwirtschaftlich“: sie kostet mehr als siebringt.

In einer Partnerschaft zwischen zwei Menschen ist der eine vielleicht das Opfer, der andere sein Retter. Oder wir haben einen Täter und ein Opfer. Der eine Teil ist bedürftig und braucht den Anderen. Deshalb muss er (oder sie) sich immer wieder der Liebe des Partners vergewissern. Der Deal ist: wir bleiben zusammen, weil wir uns brauchen. Oder gut tun. Dafür bewegen wir uns nicht aus der Komfortzone heraus: wir reiben uns immer wieder an denselben Problemen und Kleinigkeiten auf. Wir sind eifersüchtig oder haben Angst, den Anderen zu verlieren. Wir träumen wilde Phantasien. Wir brauchen „Auszeiten“. Wir lassen uns unsere „Freiräume“.  Unsere Partnerschaft funktioniert (mehr oder weniger). Wir sind eben vernünftig.

Nur hat Vernunft selten einen Menschen seelisch wachsen lassen oder ihn glücklich gemacht. Durch Vernunft dringen wir nicht zu unserem Kern vor; Vernunft ist eine Konvention zu möglichst reibungsarmen Umgang miteinander, lebendig ist sie fast nie.

Den Preis, der dafür gezahlt wird, sind Lebensjahre am Sinn vorbei- wie bei einem Bummel in einer Einkaufsstraße ohne einen Pfennig Geld in der Tasche. Seichte Normalität eben, es muss ja gar kein großes Unglücklich sein.

Liebe ich wirklich, liebe ich zuerst das Leben. Ich liebe das Leben, welches sich durch mich ausdrückt. Wenn ich liebe, stehe ich in echter Beziehung zum Leben. Das heißt, ich weiß, dass ich selbst eine Antwort auf die Frage bin „was ist möglich?“. Ich bin kein Zuschauer meiner eigenen Vorstellung, sondern Akteur und Regisseur in einer Person. Ich bin, wenn ich wirklich in Beziehung stehe, ganz ich. Das schließt aus, dass ich mich hinter netten Masken verstecke. Dass ich eine Oberfläche repräsentiere, und meine wahren Sehnsüchte im Dampfdrucktopf meiner Seele gefangen halte.

Die Entscheidung dazu treffe ich jeden Tag, jeden Augenblick neu.

Bin ich der/die, die ich sein will? Heute ist ein guter Tag, damit anzufangen. Ich helfe gerne!